Korridorsanierung München – Rosenheim: Politiker*innen aus Deutschland und Österreich fordern kluge Lösungen

Klaus Pfister, Gemeinderat Kufstein; Victoria Broßart, MdB; Stefan Graf, 1. Vize-Bürgermeister Kufstein; Markus Büchler, MdL; Madeleine Rohrer, Landtagsabgeordnete Südtirol; Gebi Mair, Landtagsabgeordneter Tirol; Elisabeth Götze, Abgeordnete zum Nationalrat Österreich

Die von der Bahn geplante Korridorsanierung zwischen München und Rosenheim droht zum Fiasko für Pendler*innen, Wirtschaft und internationalen Warenverkehr zu werden. Politiker*innen aus Deutschland und Österreich haben sich nun gemeinschaftlich in einem dringenden Appell gegen die geplante Vollsperrung der Strecke zwischen München und Rosenheim zum Zweck der Sanierung ausgesprochen.

Dazu hatten sich Victoria Broßart, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Rosenheim und Obfrau im Verkehrsausschuss, Dr. Markus Büchler, Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag, Elisabeth Götze, Abgeordnete der österreichischen Grünen zum Österreichischen Nationalrat, Gebi Mair, Abgeordneter der österreichischen Grünen im Tiroler Landtag und Madeleine Rohrer, Abgeordnete von Verdi Grüne Vërc im Südtiroler Landtag zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in Kufstein versammelt.

Dazu erklärt Dr. Markus Büchler, Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag: „Die Vollsperrung der für die Region und den internationalen Schienenverkehr mit Österreich und Italien so wichtigen Bahnstrecke ist nicht hinnehmbar. Wenn die Sperrung kommt, werden für tausende Pendler*innen zwischen Inntal, Rosenheim, Chiemgau und München die täglichen Wege zur Arbeit oder nach Hause untragbar. Die Fahrzeiten werden sich mit dem Schienenersatzverkehr so gravierend steigern, dass das den Menschen nicht mehr zumutbar ist. Dabei gibt es enge Arbeitsbeziehungen zwischen München und der Region und Unternehmen an beiden Enden profitieren von den qualifizierten Fachkräften, die jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit kommen. Das kann bei einer Vollsperrung so nicht mehr stattfinden und nicht jede*r kann einfach so auf das Auto umsteigen.“

Dazu äußert sich Victoria Broßart, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Rosenheim und Obfrau im Verkehrsausschuss wie folgt: „Viele deutsche Unternehmen sind auf den Export nach Italien oder Importe aus Italien angewiesen. Für sie bedeutet eine Vollsperrung ein halbes Jahr Ungewissheit, ob und wann ihre Waren ankommen. Lieferketten werden massiv beeinträchtigt, Produktionen können nicht geplant werden und die Transportkosten sind unkalkulierbar. Es besteht die reale Gefahr, dass viele Kundinnen und Kunden der umweltfreundlichen Schiene auf den LKW umsteigen werden. Es droht ein massiver wirtschaftlicher Schaden für alle Logistiker, die heute bereits auf die Schiene setzen. Der LKW-Verkehr auf der bereits heute überlasteten Route über die Brennerautobahn wird dadurch weiter zunehmen. Zusätzliche Blockabfertigungen und massive Staus im Inntal werden die Folge sein. Die Leidtragenden sind die Menschen im Inntal.

Die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), die heute den Verkehr zwischen Deutschland und Italien auf der Schiene abwickeln wären gezwungen, hunderte Kilometer Umleitung zu fahren. Im Gegensatz zu den Sanierungen auf der Riedbahn gibt es für die Strecke zwischen München und Rosenheim keine gute Alternativverbindung. Der Umleitungsverkehr ist gezwungen, auch weil die ABS 38 über Mühldorf immer noch nicht ausgebaut ist, über Passau, Wels und den Tauern nach Italien zu fahren. Eine Strecke die über 500 km länger ist als die eigentliche Route. Für die ohnehin knapp kalkulierenden EVUs im herausfordernden, alpenüberschreitenden Verkehr bedeuten die dadurch entstehenden Mehrkosten den wirtschaftlichen Ruin.“

Dazu ergänzt Markus Büchler: „Hier muss die Frage aufgeworfen werden: Wie sollen die Ziele zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene umgesetzt werden und wer soll den Verkehr durch den Brennerbasistunnel fahren, wenn wir die Unternehmen, die es könnten, heute leichtsinnig zerstören?“

Broßart und Büchler fordern daher gemeinsam:

  • Keine monatelange Vollsperrung der Bahnstrecke München – Rosenheim während der Korridorsanierung
  • Mindestens ein befahrbares Gleis zwischen München, Grafing und Rosenheim. Zwingend nötige kurze Vollsperren in so geringer Zahl wie möglich.
  • Sinnvolle Verkehrslenkung, z.B. über Grafing in eine Richtung, über Holzkirchen in die andere Richtung
  • Einbau von ETCS Level 2 ohne Signale auf der Strecke München – Grafing – Rosenheim statt wartungs- und störungsanfälliger Doppelausrüstung mit ETCS und PZB
  • Nachträgliche Ausrüstung der Flirt 3 Flotte, die den Nahverkehr auf der Strecke bewältigt, mit ETCS, wie das aktuell in Baden-Württemberg erfolgt, über ein Förderprogramm des Bundes
  • Ertüchtigung und Elektrifizierung der Strecke Rosenheim – Mühldorf, damit die Strecke bei zukünftigen Sanierungen oder Sperrungen als Umleitungsstrecke genutzt werden kann

Anlage: Forderungspapier Korridorsanierung