Fahrerlose Fahrzeuge werden zunehmend Realität auf unseren Straßen. Heute sind es noch einzelne Testfahrzeuge, doch bald soll die Technik ausgereift sein. Ich denke, das autonome Fahren ist eine riesige Chance, sowohl für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), als auch für die kriselnde deutsche Fahrzeugindustrie!
Grüne wollen autonomes Fahren? Bringt das nicht noch mehr Verkehr? Gefährdet das nicht Arbeitsplätze? Ist das überhaupt sicher? Wer soll sich das leisten können? Das sind spannende Fragen, auf die ich Antworten anbieten will.
Autonomes Privatauto? Bleibt erstmal Fantasie
Zunächst zu den Risiken. Ja, das autonome Fahren birgt das Risiko von noch mehr Straßenverkehr. Wenn das eigene Auto fahrerlos fährt, werden viele Menschen bereit sein, noch mehr Zeit im eigenen Auto zu verbringen, weil sie sie nutzen können. Die Pendelstrecke wird zur Arbeitszeit, die Fahrt ins Freizeitvergnügen kann zum Schlafen, Essen oder Spielen mit den Kindern genutzt werden. Die Folge wäre deutlich mehr Verkehr und Straßenbau. Aber: Bis auf weiteres bleibt die Technik schlicht zu teuer für das Privatauto.
Immenser Kostenvorteil im Busverkehr
Sehr günstig ist die neue Technik hingegen dort, wo sie Fahrpersonal ersetzt, nämlich im ÖPNV mit autonomen Shuttles. Schließlich betragen die Personalkosten im Busverkehr, zum Beispiel bei uns im Landkreis München, rund die Hälfte der gesamten Gestehungskosten.
Genau aus diesen Kostengründen fährt oftmals überhaupt kein Bus, zum Beispiel auf dem Land oder auch bei uns in der Nacht, was Schichtarbeitende zum Auto zwingt. Aufgabenträger für den ÖPNV sind die Landkreise und kreisfreien Städte. Genau denen geht zunehmend das Geld aus. Wenn autonome Shuttles Kosten massiv senken, ist deutlich mehr Angebot für das selbe Geld möglich!
Hilfe beim Fahrermangel
Autonome Shuttles können den extremen Mangel an Fahrpersonal dämpfen. Derzeit wird Fahrpersonal von unseren Busunternehmen nahezu weltweit rekrutiert. Mit enormem Aufwand und Kosten. Da die tariflichen Löhne niedrig, die Lebenshaltungskosten speziell in unserer Region München enorm sind, wechseln viele frisch angeworbene Fahrer*innen schnell wieder in andere Regionen ab. Für die Busunternehmen ist das eine enorme Herausforderung, die nicht immer gestemmt werden kann. Ausfallende Busse sind die Folge. Hier kann die Umstellung auf autonome Shuttles eine massive Verbesserung bringen!
Mehr Flexibilität für dich!
Autonome Shuttles können nicht nur Linie von A nach B und zurück fahren, sondern auch, ähnlich dem beliebten Bedarfs-Angebot „Flex“ im südöstlichen Landkreis München individuelle Fahrtwünsche erfüllen. Digital bestellbar und vernetzt können Sie das optimale Routing und die Bündelung mehrerer Fahrtwünsche ermöglichen. Das heißt für dich: Das autonome Shuttle bringt dich von Haustür zu Haustür, unterwegs steigt die eine oder andere Person zu oder wieder aus. Mit einem Deutschlandkticket oder einem MVV-Ticket hast du die Fahrt bezahlt, genau wie deine S-Bahn.
Mehr Sicherheit im Verkehr
Im ersten Halbjahr 2026 ereigneten sich alleine in Bayern 192.366 Verkehrsunfälle mit 205 Toten. Das sind meistens Unfälle von Kraftfahrzeugen. Das autonome Fahren verspricht hingegen, der Vision Zero, also Null Tote und Schwerverletzte nahezukommen. Auch wenn es Unfälle und Technikversagen im autonomen Fahren geben wird: Die Technik dürfte um Dimensionen sicherer sein als das menschliche Fahren und somit viel Leid und volkswirtschaftliche Kosten ersparen.
Chance für Wirtschaft und Arbeitsplätze in Bayern und Deutschland
Im Bayerischen Landtag hat eine Expertenanhörung zum autonomen Fahren stattgefunden. Das einhellige Plädoyer aller Expertinnen und Experten war: Die Technik ist bereit, den milliardenschweren Mobilitätsmarkt zu revolutionieren. Bayerische Forschungseinrichtungen wie die Technische Universität München sind beim autonomen Fahren an der Weltspitze. Wenn wir das Geschäft nicht den USA und China überlassen wollen, muss jetzt die hier entwickelte Technik mit einem großen Wurf von z.B. 1000 Fahrzeugen im MVV ausgerollt werden. Das böte die Chance, bayerische, sichere Technik weltweit zu platzieren und einen Leitmarkt mit neuen Produkten für Export, Wohlstand und Arbeitsplätze in der kriselnden Fahrzeugindustrie zu etablieren, so die Expert*innen.
Internationale Bauausstellung (IBA) als Katalysator
Die IBA in der Region München will in den nächsten 10 Jahren wegweisende, beispielhafte Lösungen für die Mobilitätsprobleme in der Metropolregion München suchen. Ein Projekt mit 1000 autonomen Shuttles auf Basis bayerischer Technik könnte ein geeignetes und international Aufsehen erregendes Projekt sein, für das IBAs gedacht sind und mit Fördergeldern ausgestattet werden. Deshalb freue ich mich sehr, dass unser Kreistag München sich sowohl an der IBA als auch an einer Erprobung autonomer Shuttles im Rahmen des FLEX aktiv beteiligt. Das ist ein guter Anfang, jetzt bräuchten wir Bund und Land für den großen Wurf!