„Elektrifizierung jetzt“ – Deutliche Kritik und klare Forderungen beim Fachgespräch in Weiden 

Fehlende Finanzierungszusagen, gestoppte Planungen und massive Auswirkungen auf die Menschen vor Ort, trotz der historisch einmaligen Sonderschulden für Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro: Beim Fachgespräch „Elektrifizierung jetzt“ wurde deutlich, wie ernst die Lage beim Bahnausbau in der Nordoberpfalz ist. Zahlreiche Teilnehmende folgten der Einladung von Laura Weber, MdL.

Zum Auftakt der Veranstaltung verschafften sich die Teilnehmenden bei einer gemeinsamen Begehung des Bahnhofs Weiden ein konkretes Bild der Situation vor Ort. Dabei wurden die bestehenden Mängel unmittelbar sichtbar: Weder Gleise noch Übergänge sind barrierefrei, Zugang zu den Behindertentoiletten ist unpraktikabel, Fahrräder können nicht sicher abgestellt werde – und auch von einer Elektrifizierung der Strecke ist nichts zu sehen. Für viele wurde hier greifbar, was fehlende Investitionen in die Infrastruktur ganz konkret bedeuten.

Im anschließenden Fachgespräch im Raum für Alle (Grünes Büro) stand die Elektrifizierung der Strecke Marktredwitz–Regensburg sowie die Situation am Bahnhof Weiden im Mittelpunkt. Dabei wurde schnell klar: Der aktuelle Stillstand ist für viele längst im Alltag angekommen.

Besonders eindrücklich schilderte Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt Weiden, die Situation für Menschen mit Einschränkungen. „Wenn ich Abenteuerurlaub will, fahre ich mit der Deutschen Bahn. Ich fahre nicht Zug – und das sage ich als Sohn eines Lokführers“, so Grundler. Die fehlende Barrierefreiheit mache spontane Bahnfahrten für viele Menschen faktisch unmöglich. Diese Erfahrung wurde auch aus dem Publikum bestätigt: Ein weiterer Rollstuhlfahrer berichtete, dass es kaum möglich sei, ohne großen organisatorischen Vorlauf mit der Bahn zu reisen. 48 Stunden Vorlauf sind normal und auch dann klappe es leider nicht immer mit dem Mobilitätsservice. Grundler schlug weiter eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe vor, damit endlich etwas vorangehe.

Auch Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN, zeichnete ein ernüchterndes Bild. Die Probleme seien seit Jahrzehnten bekannt – verändert habe sich jedoch wenig. „Der Bahnhof Weiden beschäftigt mich seit vielen Jahren. Geändert hat sich noch nicht viel“, so Iffländer. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen fand er klare Worte: „Der Bahnhof Weiden ist ein Symbol für alles, was schief läuft. Jede zeitliche Prognose für Ausbau und Elektrifizierung ist Makulatur.“

Dr. Markus Büchler, MdL und Sprecher für Mobilität der Grünen Landtagsfraktion, ordnete die Situation politisch ein. „Die Hälfte der Bahnhöfe in Bayern ist nicht barrierefrei und in einem ähnlich schlechten Zustand. Gleichzeitig ist der Bahn-Ausbau gestoppt. Das ist demokratiegefährdend. Das wird uns um die Ohren fliegen“, warnte er. Gleichzeitig rief er dazu auf, den politischen Druck zu erhöhen, um Bewegung in die festgefahrenen Projekte zu bringen.

Ein Blick in die Zukunft zeigt zudem die Dimension der notwendigen Maßnahmen: Sollte der Infrastrukturausbau tatsächlich kommen, müsste der Bahnhof Weiden grundlegend erneuert werden. Nach Einschätzung Büchlers müsste „alles ab Gleis 1 abgerissen und neu gebaut werden“, um die Bahnsteige zu erweitern und ausreichend Platz für Aufzüge zu schaffen.

Moderatorin Laura Weber unterstrich die Forderungen der Expertinnen und Experten und machte deutlich, dass es jetzt vor allem eines brauche: konsequenten politischen Druck. Gerne auch mit allen demokratischen politischen Vertreter:innen: „Das sollten wir als gemeinschaftliche Aufgabe verstehen.“ Nur so könne verhindert werden, dass bereits geplante Projekte weiter verzögert oder ganz aufgegeben werden.

Das Fazit des Abends: Der Handlungsbedarf ist groß aber auf Bundesebene wird trotz den Infrastruktur-Milliarden alles auf Eis gelegt, deswegen ist die Zeit zu handeln jetzt.