Ein Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler

Grüne fordern weniger Bürokratie, mehr Teilhabe und mehr Bildungsgerechtigkeit

München, 23. Juni 2026 — Die Landtags-Grünen wollen die Einführung eines Deutschlandtickets für alle Schülerinnen und Schüler in Bayern prüfen lassen. Dazu haben die Abgeordneten Christian Zwanziger und Dr. Markus Büchler einen Berichtsantrag an die Staatsregierung gestellt. Ziel ist es, die finanziellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines kostenfreien beziehungsweise vergünstigten Deutschlandtickets für Schülerinnen und Schüler im Freistaat umfassend zu untersuchen.

Derzeit ist die Schulwegkostenfreiheit in Bayern an zahlreiche Bedingungen geknüpft. Die Fahrtkosten werden grundsätzlich nur übernommen, wenn Grundschülerinnen und Grundschüler mehr als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Bei weiterführenden Schulen liegt die Mindestentfernung bei drei Kilometern. Zudem muss grundsätzlich die nächstgelegene geeignete Schule besucht werden. Ab der 11. Jahrgangsstufe gilt außerdem eine Eigenbeteiligung von bis zu 320 Euro pro Schülerin oder Schüler beziehungsweise bis zu 490 Euro pro Familie und Schuljahr. Erstattet werden grundsätzlich nur die Kosten für das jeweils wirtschaftlichste Ticket. Ab der 11. Jahrgangsstufe müssen Familien die Kosten zunächst selbst vorstrecken und anschließend einen Antrag auf Rückerstattung stellen.

Je nach Wohnort und Schulart erhalten Schülerinnen und Schüler heute völlig unterschiedliche Leistungen: Manche bekommen überhaupt keine Fahrkarte, andere lediglich ein Streckenticket für den Schulweg zwischen September und Juli, wieder andere ein Jahresticket innerhalb ihres Verkehrsverbundes. Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe hängen damit vielfach vom Wohnort und den individuellen Voraussetzungen ab. Gleichzeitig hat die Staatsregierung bereits im Februar angekündigt, ein Konzept für ein vergünstigtes Deutschlandticket für Schülerinnen und Schüler auszuarbeiten. Ein konkreter Zeitplan für die Vorlage dieses Konzepts wurde bislang jedoch nicht genannt.

System der Schülerbeförderung nicht mehr zeitgemäß

Das derzeitige System der Schülerbeförderung ist kompliziert, bürokratisch und aus Sicht der Landtags-Grünen nicht mehr zeitgemäß. Zahlreiche Behörden und Institutionen sind an der Bearbeitung der Anträge beteiligt – von Schulen über Landratsämter und kreisfreie Städte bis hin zu Regierungen und Ministerien. Familien müssen Voraussetzungen nachweisen, Anträge stellen und teilweise in Vorleistung gehen.

Zugleich entstehen erhebliche Unterschiede bei den Mobilitätschancen junger Menschen. Während einige Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Schulwegs uneingeschränkt mobil sind, bleiben anderen Freizeitangebote, außerschulische Bildungsangebote oder Aktivitäten in den Ferien erschwert. Damit hängen Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe häufig nicht vom Bedarf, sondern von den bestehenden Regelungen und den finanziellen Möglichkeiten der Familien ab.

Ein Deutschlandticket für alle Schülerinnen und Schüler könnte diese Ungleichheiten abbauen und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren. Bislang fehlen jedoch belastbare Zahlen zu den tatsächlichen Kosten, möglichen Einsparungen und den Auswirkungen auf Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und den öffentlichen Nahverkehr. Genau diese Fragen sollen durch den Bericht der Staatsregierung beantwortet werden. Im Ausschuss für Wohnen, Bau und Verkehr wurde der Antrag zunächst zurückgestellt und soll erst nach den Sommerferien behandelt werden.

Konkrete Forderungen

Die Landtags-Grünen fordern von der Bayerischen Staatsregierung:

  • einen transparenten Zeitplan für das angekündigte Konzept eines Deutschlandtickets für Schülerinnen und Schüler
  • eine umfassende Analyse der heutigen Kosten der Schülerbeförderung für Freistaat und Kommunen
  • eine Gegenüberstellung der Kosten eines vergünstigten und eines kostenfreien Deutschlandtickets
  • eine Bewertung der möglichen Bürokratieeinsparungen für Familien, Schulen, Kommunen und Behörden
  • eine Untersuchung der Auswirkungen auf Bildungsgerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs
  • die Prüfung eines kostenfreien Deutschlandtickets für alle Schülerinnen und Schüler als langfristiges Ziel

Christian Zwanziger, Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultus: „Das heutige System der Schülerbeförderung ist unnötig kompliziert und verursacht einen enormen bürokratischen Aufwand. Gleichzeitig erhalten Schülerinnen und Schüler je nach Wohnort völlig unterschiedliche Mobilitätsmöglichkeiten. Ein Deutschlandticket für alle würde nicht nur Familien finanziell entlasten, sondern auch für mehr Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe sorgen.“