Krebstherapie-Pleite am FRM II

Pressemitteilung vom 8. Juni 2020

Der Garchinger Forschungsreaktor und die Medizin

Die Krebstherapie, der angeblich große medizinische Nutzen des Garchinger Forschungsreaktors, hat sich als eine kolossale Pleite herausgestellt. Die Zahl der Behandlungen lag mindestens 95 % unter dem erwarteten Wert. Wie eine schriftliche Anfrage der Abgeordneten Claudia Köhler und Dr. Markus Büchler offenbarte, wurde sie schon vor fünf Jahren klammheimlich eingestellt.

„Die Entwicklung der Krebsbehandlungen am Garchinger Forschungsreaktor ist Musterbeispiel der leeren Versprechungen der TU München über den angeblichen medizinischen Nutzen des Reaktors. Nachdem 2014 kein einziger Patient und 2015 noch fünf Patienten behandelt wurden, wurde die Bestrahlungsanlage stillschweigend eingestellt“ erläutert die Landkreisabgeordnete Claudia Köhler die Anfrage. „Insgesamt war sie neun Jahre in Betrieb. Dabei wurden jährlich durchschnittlich 14 Patienten behandelt und nur an 24 Tagen im Jahr haben Bestrahlungen stattgefunden.“

In dem Zusammenhang verweist Köhler auf eine Aussage des Wissenschaftsministeriums aus dem Jahr 2004: „In einer Anfrage von Ruth Paulig phantasierte man damals von einem Tag/Nachtbetrieb und überlegte allen Ernstes ob die Anlage an fünf oder an sieben Tagen Tage die Woche betrieben werden soll.“ Wörtlich heißt es in der damaligen Antwort: „Zu Beginn wird von einer Teilauslastung der vorhandenen Kapazität mit bis zu 120 Patienten pro Woche ausgegangen“. Tatsächlich ist man gerade in den gesamten 9 Jahren auf 126 Patienten gekommen.

Nach Ansicht des Abgeordneten Dr. Markus Büchler wird der medizinische Nutzen des FRM immer gerne in der Öffentlichkeitsarbeit der TU nach vorne geschoben, wenn es um die Akzeptanz des Reaktors schlecht bestellt ist. „Früher hat man mit der Strahlentherapie geworben, heute sind es radioaktive Isotope wie Lutetium oder Technetium, die am Reaktor hergestellt werden können“, so Büchler weiter. „Dabei wird immer gerne verschwiegen, dass man diese medizinischen Stoffe meist auch anders herstellen kann und vor allem, dass man dazu keinen Reaktor mit hoch-angereichertem Uran braucht.“.

Kurioserweise hat die TU dann Ende März dieses Jahres auch noch angeboten, dass man mit dem FRM einen Beitrag zur Coronaforschung leisten könnte. Gleichzeitig sorgte man aber mit einer unvorstellbaren Schlamperei dafür, dass innerhalb einer Woche so viel radioaktives C14 in die Luft abgelassen wurde, dass der Reaktor auf absehbare Zeit nicht in Betrieb gehen wird. „Doch bisher war kein Bedauern der deutschen Virologen über den Ausfall des FRM zu hören. Die Bekämpfung der Pandemie wird nicht am Fehlen des Garchinger Reaktors scheitern“ kommentierte Büchler.

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